Wianne Kampen,"Wilhelmshavener Zeitung "
Im Gepäck hatte die gebürtige Georgierin ein Programm, dass das trübe Novemberwetter vergessen ließ. Eine Prise Humor und viel Emotionalität bot es, am Anfang jedoch stand die formale Architektur zweier Fugen aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach. Mit der Klarheit und Transparenz, die diesen Werken Größe verleiht, trug Inga Fiolia sie vor. Ganz anders der Ausdrucksgehalt der Sonate Nr.60 von Joseph Haydn. Temperamentvolle Lebendigkeit bestimmte die Ecksätze, musikalischer Witz und Charme blitzten auf.
Mit Virtuosität glänzte Inga Fiolia bei Werken von Sergei Rachmaninow und Franz Liszt. "La Leggierezza" - "Die Leichtigkeit" - titulierte Liszt seine Konzertetüde Nr.2 und wunderbar leicht schwebten die Tonreihen tatsächlich im Konzertraum, als Inga Fiolia sie spielte. Weich und stets kontrolliert war ihr Anschlag, der die Läufe fließend und scheinbar schwerelos werden ließ. Ihre emotionale Sichtweise verlieh dem Werk einen glitzernden Zauber. Unüberhörbar, dass die Kompositionen Liszts für die Pianistin eine Herzensangelegenheit sind.
Höhepunkt des Konzerts aber war Beethovens Sonate op.110. Beginnend mit einem lyrischen ersten Satz, dessen musikalische Tiefe berührte. Jeder Ton scheinbar wohl überlegt. Schroffe Akkorde kontrastierten sodann im zweiten Satz.
Das getragene Adagio schließlich gestaltete die Pianistin mit großer Ruhe und einer Ausdruckskraft, die innenhalten ließ. Hier zeigte sich ihre Sensibilität und musikalische Reife. Langer Applaus war der Dank des beeindruckten Publikums".